Die legendäre Ferienstraße Route Nationale 7 in Frankreich von Paris nach Menton

REISEBERICHT - Super gelaufen!

Etappe 04 von Mirmande nach St-Maximin-la-Ste-Baume

Die vierte Etappe führt von Montélimar bis St-Maximin-la-Ste-Baume, einer französischen Gemeinde mit 14500 Einwohnern im Département Var in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur

Orte, die passiert werden solten:
Montélimar - Donzères - Pierrelatte - Lapalud - Mondragon - Mornas - Piolenc - Orange - Couthézon - Bédarrides - Sorgues - Le Pontet - Avignon - Pont de Bonpas - Saint-Andiol - Plan-d'Orgon - Orgon - Sénas - Pont-Royal - Cazan - Lambesc - Saint-Cannat - Lignane - La Petite-Galade - Les Gervais - Celony - Aix-en-Provence - Châteauneuf-le-Rouge - Pourcieux - St-Maximin-la-Ste-Baume




Wir haben ein wirklich sehr schönes Quartier gefunden, hier in Mirmande. So genießen wir das Frühstück im Freien unter der Remise unseres Gîte Rural. Gégé hat es eilig. Neue Termine warten und er muss mit seinem Studebaker noch eine lange Strecke zurücklegen. Er verabschiedet sich mit zwei Geschenken: einer Flasche Vouvray und einer Schachtel Nougat aus Montélimar. Der Vouvray ist ein nach der Champagnermethode hergestellter hochwertiger Schaumwein mit einer exzellenten Geschmacksnote. Die Blechschachtel mit Nougat ziert eine schwarze DS und ein N7-Kilometerstein. Ein schöner Übergang zu einem unserer nächsten Ziele der heutigen Etappe. In Orange hat Gégé heute außerdem noch ein Treffen mit Pierre arrangiert. Der betreibt ein Weingut und lädt uns zur kostenlosen Dégustation eines guten Tropfens Châteauneuf-Du-Pape ein. Aber dazu später. Zunächst fahren wir nach Montélimar, der Stadt des Nougat. In früheren Jahrzehnten machten die Nougathersteller hier gute Geschäfte, auch mit Straßenverkäufen an die vielen durchreisenden Touristen. Das Nougat de Montélimar besteht aus Wasser, Lavendelhonig, Eischnee, gerösteten Mandeln, Pistazien, Zucker, Glukosesirup und Vanille. Beim Nugat Montélimar muss der Samenkernanteil mindestens 30 % betragen, davon 28 % geröstete Mandeln und 2 % Pistazien. Nur dieser Nougat darf das Gütesiegel Appellation d'Origine Contrôlée (AOC) und den Namen Nougat de Montélimar tragen. Der Eischnee wird mit erhitztem Honig vermischt, dazu wird eine aufgekochte Zuckerlösung gegeben und mit den anderen Zutaten vermengt. Es gibt verschiedene Varianten: hart oder weich, weiß oder farbig und mit verschiedenen Aromen versetzt (Quelle Wikipedia). Wir halten an einer der zahlreichen Nougatfabriken mit Ladengeschäft. Als Werbeträger auf dem Trottoir dient hier, wie kann es anders sein, ein überdimensionaler Kilometerstein. Im Hof steht ein alter Renault Goélette Lieferwagen, der zwischen 1947 und 1965 produziert wurde. Er ist restauriert worden und dient offenbar als Werbefahrzeug auf Märkten. Die Fassade des Ladengeschäftes ist mit stilvollen Malereien verziert. Man kann sogar kostenlos probieren. Montélimar ist Nougat. Aber es ist unübersehbar, dass die besten Zeiten für das Nougat vorbei sind. Viele Geschäfte verfallen und die alten Werbeanstriche auf den Hauswänden bröckeln ab. Wir machen noch einige Fotos, mein Begleiter entdeckt einen Rennradladen. Da muss er unbedingt noch etwas nachfragen. Dann machen wir uns auf den Weg Richtung Orange. Während unserer Frühstückspause auf einem Rastplatz klingelt mein Handy. Es ist Pierre, der auf uns wartet. Wir beeilen uns.

Die N7 führt uns von Norden direkt in die Stadt Orange. Dort steht am Ortseingang eines der Wahrzeichen der Stadt, ein römisches Monumentaltor mit drei großen Bögen, UNESCO Weltkulturerbe. Direkt daneben sind wir mit Pierre verabredet. Er erwartet uns in einem perfekt restaurierten, grauen Renault Juvaquatre Kleinlieferwagen (Fourgonette) aus den fünfziger Jahren. Er erinnert schon stark an den R4 Fourgonette aus späteren Jahren. Der Innenraum und das Armaturenbrett sind höchst spartanisch ausgestattet. Der Dachgepäckträger ist zur Deko vollgepackt mit Weinkisten und großen Korbweinflaschen. Pierre benutzt den Oldtimer als Alltagsfahrzeug für sein Weingut. Er produziert Côtes-du-Rhône und Châteauneuf-Du-Pape, handelt außerdem mit Jahrgangsweinen ab 1929. Es ist schon ein edler Tropfen, dieser Châteauneuf-Du-Pape, den wir genüsslich bei der Weinprobe schlürfen, während wir Pierres Anekdoten zu einzelnen Ausstellungsstücken seines kleinen Weinbaumuseums lauschen. Er hat hier wirklich bemerkenswerte Exponate zusammengetragen. Das Auge wandert über eine ganze Reihe von Korkenziehern aus Holz, historische Plakate und Werbetafeln, Werkzeuge für den Rebschnitt, alte Holzfässer und so manches Andere. Beim Abschied entdecken wir noch unter der Remise ein schönes Peugeot 304 Cabriolet. Wir wollen noch etwas von der Stadt Orange sehen. Jetzt haben wir auch keine Verabredungen mehr und können alles ein wenig entspannter angehen lassen. Die Stadt ist bekannt für seine historischen Bauwerke, insbesondere für das beeindruckende römische Theater aus dem 1.Jahrhundert n. Chr., das für eines der besterhaltenen der Welt gehalten wird. Auch heute noch finden dort Aufführungen und Opernfestspiele statt. Uns fällt natürlich in der Stadt auch ein weißes, sehr gut erhaltenes Peugeot 504 Cabrio auf. Diese wurden von 1969–1974 gebaut. Nachdem wir eine ganze Weile durch Orange gelaufen sind, lassen wir uns auf der Terrasse eines Restaurants zum Mittagessen nieder.

Inzwischen ist es halb drei Uhr nachmittags und wir haben noch ca. 140 km Landstraße vor uns bis zum Etappenziel Saint-Maximin-la-Sainte-Baume im Département Var. Es ist in diesem Abschnitt schwierig, der alten N7 zu folgen. Wir kommen ein wenig von der N7 ab, weil das Navi uns immer wieder auf andere Strecken schicken will. "Wir müssen weiter nach Süden", sage ich zu meinem Fotografen, der mich inzwischen am Steuer abgelöst hat. Also fahren wir auf ziemlich kurvenreichen, bergigen Strecken, durch enge Ortsdurchfahrten schließlich auf der D943 von Bonnieux nach Cadenet. Plötzlich hat mein Begleiter die Idee ein Video zu drehen, wie die DS auf den Serpentinen den Hang herunterfährt. Er biegt abrupt nach links auf einen schmalen unbefestigten Parkstreifen ab, holt sein Stativ und seine Kameraausrüstung heraus und stapft zurück zur letzten Kurve. Ich soll derweil wenden,einige hundert Meter zurück den Berg hinauf fahren, oben nochmals wenden - auf diesen schmalen Gebirgsstraßen nicht gerade einfach - und mich dann bei der Talfahrt von ihm filmen lassen. Leider kann man nicht viel von der DS sehen, da eine Schutzmauer am Straßenrand die Sicht stark behindert. Dann macht auch noch der Akku der Kamera schlapp, und so wird es leider nur ein kurzes Video. Macht nichts. Wir fahren weiter bergab. Plötzlich kommt uns hinter einer Haarnadelkurve ein überholendes Auto entgegen. Der offensichtlich noch junge Fahrer hatte sich in seinem kleinen Peugeot wohl stark verschätzt. Blitzschnell tritt mein Fotograf auf die Bremse, die anderen Autofahrer reagieren auch richtig. So kann der Geisterfahrer noch rechtzeitig wieder rechts einscheren. Nichts passiert! Jetzt wissen wir jedenfalls, dass die Bremsen der guten alten DS auch nach 43 Jahre noch gut funktionieren. Nur ein wenig Herzklopfen haben wir. Es ist spät geworden, sodass wir Aix-en-Provence rechts liegen lassen müssen. Schade eigentlich, denn Aix ist eine schöne Stadt mit langer Geschichte und vielen Sehenswürdigkeiten. Wir checken in einem Low-Budget-Hotel in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume ein. Die Zimmer verfügen aber dennoch über eine Klimaanlage und sind OK. Mein Copilot will noch etwas einkaufen gehen, aber der nahe gelegene Hyper-Marché hat während der Sommermonate nur bis 13 Uhr geöffnet. Sehr merkwürdig.

 Home www.route-nationale7.de nach oben